HEALING ARCHITECTURE IM
GESUNDHEITSWESEN

REDESIGN EINES ZENTRALEN KLINIK-BOULEVARDS

Für die zentrale Magistrale einer großen Universitätsklinik entstand ein innenarchitektonisches Konzept, das den stark frequentierten Verkehrsraum neu interpretiert. Im Mittelpunkt stehen die Menschen, die hier ankommen, warten, sich orientieren oder einen geschützten Moment benötigen.

Auf Grundlage der Healing Architecture verbindet der Entwurf funktionale Abläufe mit einer Atmosphäre, die Sicherheit und Wohlbefinden unterstützt. Aus der reinen Erschließungsfläche entwickelt sich ein Klinikboulevard mit vielfältigen Orten für Aufenthalt, Begegnung und Rückzug.

DIE ENTWURFSIDEE

Grundlage des Entwurfs ist die Betrachtung der Magistrale als öffentlicher Raum. Die Gestaltung orientiert sich dabei an den Prinzipien einer lebendigen Stadt.

Wie auf einem Boulevard entstehen entlang der Magistrale unterschiedliche Orte mit eigener Identität. Plätze, Treffpunkte, Logen und geschützte Nischen gliedern den Raum und schaffen eine abwechslungsreiche Abfolge von öffentlichen und kommunikativen bis hin zu ruhigen und privaten Bereichen.

Jeder Ort besitzt dabei einen eigenen Charakter und bleibt zugleich Teil des Ganzen.

DAS FOYER – VOM VERKEHRSRAUM ZUM AUFENTHALTSORT

Das Foyer prägt den ersten Eindruck des Hauses. Wo zuvor vor allem Wege verteilt wurden, bildet nun eine großzügige Aufenthaltslandschaft den räumlichen Mittelpunkt. Begrünte Sitzinseln gliedern die offene Halle und eröffnen verschiedene Möglichkeiten zum Warten, Verweilen und Begegnen.

Die neue Mitte gibt dem weitläufigen Raum Halt, ohne seine Offenheit einzuschränken. Das Foyer wird damit nicht nur zum Ausgangspunkt der Wege durch das Gebäude, sondern zu einem einladenden Ort des Ankommens.

WARTEN ALS TEIL DER RAUMERFAHRUNG

Anmeldung, Aufnahme, Diagnostik und ambulante Eingriffe sind häufig mit Wartezeiten verbunden. Für Menschen, die mit gesundheitlichen Beschwerden, Ungewissheit oder Sorge in die Klinik kommen, wird diese Zeit zu einem prägenden Teil des Aufenthalts. Der Entwurf nimmt das Warten deshalb als zentrale innenarchitektonische Aufgabe ernst.

Die Leitstellen werden funktional erweitert und übersichtlich gegliedert. Gut sichtbare Anmeldeportale erleichtern die Zuordnung, integrierte Sitznischen ergänzen das Angebot unmittelbar am Anlaufpunkt. Die vorhandenen Wartebereiche entlang der Fassade nutzen Tageslicht und den Blick in den begrünten Innenhof. Statt linearer Sitzreihen mit institutionellem Charakter vermitteln differenzierte Sitzgruppen mehr Geborgenheit, persönlichen Abstand und Privatheit.

Ausgangspunkt des Entwurfs war die Frage, wie sich unvermeidbare Aufenthalts- und Wartezeiten im Krankenhaus angenehmer, übersichtlicher und menschlicher gestalten lassen.

Olga Wagner, Freie Innenarchitektin

ORTE FÜR RÜCKZUG UND GESPRÄCHE

Nicht jede Situation im Klinikalltag gehört in den offenen Raum. Gespräche mit Angehörigen, gemeinsames Warten oder ein Moment für sich verlangen nach mehr Schutz und persönlichem Abstand.

Entlang der Magistrale ergänzen deshalb unterschiedlich ausgebildete Nischen das Angebot an Aufenthalts- und Rückzugsorten. Einige bieten Raum für vertrauliche Gespräche oder gemeinsames Warten in kleiner Runde, andere dienen einzelnen Personen als ruhiger Rückzugsort. Die Einbauten fügen sich selbstverständlich in die Bestandsarchitektur ein: nah genug am Geschehen, um verbunden zu bleiben, und zugleich deutlich geschützter.

Der Entwurf versteht sich als Weiterentwicklung des Bestands. Durch gezielte Ergänzungen und neue Aufenthaltsangebote werden vorhandene Qualitäten gestärkt und funktionale Defizite neu interpretiert.

Ziel war nicht die Inszenierung neuer Räume, sondern eine Umgebung, die selbstverständlich wirkt, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.

Die Arbeit wurde als innenarchitektonische Konzeptstudie der Universitätsklink beauftragt und soll das Potenziale für die zukünftige Entwicklung des Bestands aufzeigen.

Fakten

Universitätsklinikum

Standort: BW

Projektart: Neuausrichtung / Erweiterung

Entwurf: Healing Architecture | Aufenthalt | Rückzug

Projektgröße: 2.000 qm

In Zusammenarbeit mit
Martina Velmeden, M. Eng. Innenarchitektur
ROOMSinSTYLE Interior Design
https://www.martina-velmeden.de